#Dasgute Buch: Das dünne Eis der Toleranz – Minderheiten, Minderwerte und der Kampf um unser Selbst

Ein glaubwürdiges Dasein beweist sich in der Authentizität der eigenen Identität. Die sogenannte Einfachheit hinter dieser Tatsache stellt sich zumeist als trügerischer Schein heraus. Soziale Auflagen einer heteronormativen Gesellschaft, die durch konservative Politik, patriarchale institutionalisierte Religionen und daraus resultierendem sozialem Sadismus die Duldung und Organisation der unterschiedlichsten Gewaltformen anfeuern, werden zu den Hass-Motiven im Kampf um unser Selbst.

Dabei handelt es sich nicht immer nur um jenen Hass, der von außen auf uns zustürmt, sondern oftmals auch um Hass, den wir – bewusst und unbewusst – auf uns selbst projizieren. Herausgeberin Patsy L’amour Lalove hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesem allzu schmerzhaften Phänomen auf die Spur zu kommen. Die Autorinnen und Autoren dieser bedeutenden Anthologie nehmen hierfür in mitreißenden Artikeln gekonnt und eloquent die verschiedensten Mythen gesellschaftlicher Scheintoleranzen auseinander.

Die kraftvolle Diversität queerer Geschichte(n) wird beim Lesen dieser klugen Texte auch deshalb lebendig, weil die Beiträge von einer wohltuend leidenschaftlichen politischen Motivation getrieben sind. Politik ist in letzter Instanz nichts anderes als die Organisation von Macht. Wenn Macht dafür sorgt, dass Menschen unterdrückt werden, braucht es Macht, um diese Unterdrückung zu erkennen, zu benennen und zu bekämpfen.

In wissenschaftlichen Essays und erfrischend subjektiven Erläuterungen, untermalt von kunstvollen Fotografien wird eine schöne und vor allem lehrreiche Vielfalt an Perspektiven auf das Thema Selbsthass präsentiert. Wer Menschen, die „anders“ sind, mit einem minderen Wert versieht, entwertet letztlich sich selbst. So könnte man eine von vielen Schlussfolgerungen dieses klugen und wichtigen Sammelbandes formulieren, dem man eine möglichst große Leserschaft wünscht.

 

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